Bierkultur

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Genuss

Wenn es wabert in der Sudpfanne, schlägt das Herz des Brauers höher

Noch ist nicht Hopfen und Malz verloren. Das Bier feiert wieder Urständ. Der Gerstensaft schäumt nicht nur an den Getränkeständen und in den Brasserien in Strömen aus den Zapfhähnen. Craft Beers in grosser Vielfalt haben auch die Szenelokale und Hotspots als Göttertrank erobert.

Text: Hansjörg Egger | Film: module+ in Zusammenarbeit mit Vivarelli Films und Heimat Films | Fotos: sigifischer.com

Wenn Beni Flückiger am Morgen früh auf seinem Velo die Steigstrasse hinunter kurvt und ihm der Duft der Würze aus der Sudpfanne um die Nase wedelt, dann weiss er, das Herz schlägt in der Brauerei, drüben auf der andern Seite der Stadt. Es erfüllt ihn mit einem Glücksgefühl. Wenn es wabert im grossen Kessel, dann beginnt auch sein eigenes Herz höher zu schlagen. Denn Beni ist mit Herz und Seele Bierbrauer. «Bier brauen», sagt der Braumeister der Brauerei Falken «ist eine emotionale Sache». Bier ist ein reines Naturprodukt. Faszinierend, dass man mit den vier Rohstoffen Wasser, Hopfen, Malz und Hefe unzählige Sorten Biere produzieren kann. Doch ohne Leidenschaft und Herzblut geht auch in der 222-jährigen Brauerei der Schweiz gar nichts. Ist das Bier eingebraut, wird jeder Prozessschritt täglich mehrfach überprüft. Hat zum Beispiel das Lager seinen hauchzarten schimmernden Glanz und das Weizen seine ebenmässige Trübung? Auch die sensorische Prüfung nimmt dem Bierbrauer keine Maschine ab. Er muss seine Biere immer wieder degustieren. Dabei wird die Probe nicht etwa ausgespuckt. Denn ein gutes Bier zeichnet sich nicht nur durch einen bekömmlichen Haupttrunk, sondern auch durch den angenehmen Nachtrunk aus. Und den kann man nur erspüren, wenn der Gerstensaft durch die Kehle rinnt. Beni Flückiger, der bei der Brauerei Falken seit 25 Jahren Biere kreiert, tüftelt gerne und setzt immer wieder neue Bierideen um. Eine seiner neuesten Schöpfungen ist der Doppelbock «Rudolf», der nach dem ehemaligen Patron Rudolf Moersen benannt ist.

Hängen, geniessen, diskutieren, Freundschaften pflegen. Und für jedes Pläsier, das richtige Bier.

Ob in der Unterstadt oder entlang des Rheins: Südliches Ambiente lockt zum Dolce far niente. Die Idealtemperatur zum Biertrinken liegt zwischen 22 und 25 Grad – sagt der Bierbrauer.

Standen früher überall auf den Baustellen die grünen Harasse rum, und nahm kein Bauarbeiter den Pickel in die Hand, bevor er nicht eine Flasche geköpft hatte, sind es heute die Gartenbeizen, Brasserien, Lounges, Musik Clubs und andere Szenelokale und Hot Spots, wo der Göttertrank in Strömen sprudelt. Da ist die Rhykantine, wo sich mediterrane Gefühle entfalten, wenn man mit den Füssen im Meeressand wühlt. Und da ist der Güterhof mit seiner aufregenden Sicht auf die bereitstehenden Ausflugsschiffe. Oder das Heini’s im Mosergarten, wo die Blätter der einst klösterlichen Parkbäume im Abendwind zischeln. Und da sind die verschiedenen Food-Trucks entlang des Rheins. Das Rhystorante, das Lunas Crêpes oder Chekes Mexican Food Truck, wo die Flaschen mit so köstlichen Bieren wie dem süffigen Modelo Especial, dem Aztekenbier Indio oder dem seit 1890 in Mexiko gebrauten Carta Blanca angesetzt werden. Und wo, dazu passend, an einem Pulled Pork gezupft werden darf.

Prickelndes Chill-out mit Bierspezialitäten auch in der Hafenbar Meier’s Pool, wo der Gast von Neptun und seinem Dreizack empfangen wird. Ein gesteigertes Lebensgefühl garantiert auch das Kammgarn. Hier werden dem bunt gemischten Publikum neben vielen Sorten auch so exotische Biere wie das Wild Imperial Fôrest noire trois Dames, das Trappistenbier der Zisterziensermönche oder das Wild Ale L’Abbaye de Saint Bon-Chien angeboten. Neben viel Musik und Show. Gleich nebenan empfangen die Gastgeber mit sandgestrahlten Zähnen die Feierlustigen im frisch gewienerten Musikclub Tap Tab. Stimmengewirr und wieherndes Gelächter dringt auch aus der Fassbeiz an der Webergasse. Hier wird viel diskutiert und mancher gescheite Gedanke in die Luft entlassen. Und wie immer ist das «Fass» auch diesen Samstagabend zum Überlaufen voll. Im Tabaco am Rosengässchen lässt es sich in den genoppten Ledersofas mit einem Stammhausbier in der Hand und einer Montecristo No 2 oder No 4 im Gesicht gemütlich fläzen. Ganz in der Nähe, im Cuba Club an der Safrangasse, wo Che Guevara von der Wand hinunter grüsst, legt gerade ein DJ lateinamerikanische Rhythmen auf und der Barkeeper zieht fleissig an seinen Zapfhähnen und wischt die Schaumkronen ab. Mit dem Turbinenbräu «Start», «Rekord» und «Sprint» perlen auch im Cardinal trendige Biere. In jener altehrwürdigen Arbeiterchnelle, in der im oberen Stockwerk von 1901 bis 1902 kein Geringerer als Albert Einstein wohnte. Ein Bierchen wird er sich wohl in der Gaststube nie genehmigt haben, denn der grosse Physiker war ja ein Abstinenzler. Dafür steht im Chübelimoser Brauhaus in Neuhausen auf den Tischen zwischen den hochglanzpolierten Würzpfannen und neben jedem Teller ein Chübeli mit dem vor Ort gebrauten wohlschmeckenden Hausbier oder einem lukullischen Saisonbier. Bier fliesst auch immer noch in der Brasserie Zikade, der einstigen Wirtschaft im Schaffhauser Bahnhof, die an die Mühlentalstrasse in ein schickes Geschäftshaus umgezogen ist und von der zumindest noch die Tische, Stühle und der Zapfhahn der alten Spelunke übrig geblieben ist.

«Bestaubt sind unsere Bücher, der Bierkrug macht uns klüger. Das Bier schafft uns Genuss, die Bücher nur Verdruss.»

Johann Wolfgang von Goethe

 

In der Rhybadi wird nicht nur geplanscht und geschwaddert. Hier kann man abends auch in eine Szene heisser Rhythmen eintauchen und im Partyvolk ein Bad nehmen.

«Die erste Pflicht der Musensöhne, ist, dass man sich ans Bier gewöhne.»

Wilhelm Busch

 

Stolz ist man in Schaffhausen auf die grosse Biervielfalt. Es gibt im Kanton rund ein Dutzend Mikrobrauereien, wie Braufux aus Beringen, Gnädinger aus Ramsen, Hamlet aus Osterfingen, Lolle aus Löhningen, Chläggi aus Hallau, Mittelalter aus Neunkirch oder HOPe aus Neuhausen. Aber auch das Gottfried aus Hemishofen, das Martin Leibacher angefangen hat zu brauen, «weil er einfach immer grossen Durst verspürte». Braumeister Beni Flückiger von der Brauerei Falken, welche diese Entwicklung unterstützt, freut sich über die immer grösser werdende Palette: «Das belebt die Bierszene und macht unser Getränk auch zu einem immer beliebteren Begleiter eines genussvollen Essens». Ein Schwarzbier passt zum Beispiel zu einem deftigen Braten und ein Ale zu Fischchnuschperli oder einem Hamburger. «Die grosse Fülle bringt es mit sich, dass auch immer mehr Frauen Geschmack finden an den verschiedenen Biergetränken», sagt Andrea Imthurn, Biersommelière bei der Falkenbrauerei. Denn schliesslich waren es ja die Frauen, die das Bier erfunden hatten. Alte Keilschriften verraten, dass sie schon im 3. Jahrtausend vor Christus in Tongefässen einen Trank aus Getreide zusammenbrauten. Die Historiker hegen allerdings berechtigte Zweifel, ob man das damalige Gebräu aus Emmer und Gerste wirklich als «Bier» bezeichnen kann.



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